Die Ausstellung „Im Fokus: Drei seltene Schätze des Kaiserlichen Chinas“ zeigt vom 01. April bis zum 29. Juni 2026 Objekte unterschiedlicher kaiserlicher Dynastien. Die stammen aus den Beständen des Grünen Gewölbes und der Porzellansammlung im Sponsel-Raum des Residenzschlosses.
Die Ru-Schale, die so genannte Drachenvase und ein kaum fünf Zentimeter großes Schnupftabaksfläschchen stehen exemplarisch für die Ästhetik und die herausragende Kunstfertigkeit der damaligen Zeit.
Grandiose Sammlung in Dresden
Die Porzellansammlung der Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD) bewahrt die größte Anzahl frühneuzeitlichen Porzellans aus China und Japan außerhalb Asiens.
Ein Querschnitt dessen, was im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert in Europa gesammelt wurde.
Der historische Kern der kurfürstlich-königlichen Sammlung Augusts des Starken und Augusts III. wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch Tausch und Kauf um Keramiken aus aller Welt erweitert.
Darunter befinden sich auch die Ru-Schale und die Drachenvase.
Geschaffen für den Kaiser
Ursprünglich exklusiv für den chinesischen Kaiserhof geschaffen, handelt es sich um herausragende Zeugnisse chinesischer Keramikkunst, die zu augusteischer Zeit in Dresden noch keiner kannte.
Erst im frühen 20. Jahrhundert konnten solche kaiserlichen Stücke von europäischen Sammlern erworben werden.
Zugleich gilt die Ru-Schale als eines der schönsten, äußerst seltenen keramischen Erzeugnisse der Song-Dynastie (960 bis 1279) und als Krönung einer Sammlung chinesischer Kunst.
Zusammen mit dem Schnupftabaksfläschchen aus dem Grünen Gewölbe präsentieren die SKD damit drei außergewöhnlich seltene und kostbare chinesische, kaiserliche Artefakte aus unterschiedlichen Dynastien.
Diese herausragenden Stücke stehen exemplarisch für die Ästhetik und die herausragende Kunstfertigkeit ihrer Zeit.
In einer kürzlich geschlossenen Vereinbarung mit dem Palastmuseum Hongkong haben sich die SKD dafür ausgesprochen, ihre Bestände ostasiatischer Kunst zukünftig intensiver mit Experten dort und in Peking zu untersuchen.
Mehr zur Ru-Schale
Die auf den ersten Blick unscheinbare kleine Schale aus glasiertem Steinzeug gehört zu den seltensten und kostbarsten Objekten der chinesischen Keramik.
Das rund 900 Jahre alte Gefäß diente als Pinselwaschschale und zählt zu nur 89 bekannten Ru-Keramiken weltweit, nur eine davon ist in Deutschland.
Es war Teil einer Privatsammlung, die die Porzellansammlung in den 1920er-Jahren erwarb.
Benannt sind diese ersten exklusiv für den chinesischen Kaiserhof gefertigten Keramiken nach ihrem Herkunftsort, der Ru-Präfektur in der nördlichen Provinz Henan.
Die Produktion kaiserlicher Ru-Keramiken dauerte nur etwas mehr als 20 Jahre und endete, als die Nördliche Song-Dynastie im Jahr 1126 nach Süden verdrängt wurde.
Die wenigen hergestellten und geretteten Stücke gelten heute als Krönung jeder Sammlung chinesischer Keramik.
Das hier gezeigte perfekt erhaltene Schälchen besticht durch eine außergewöhnliche schlichte Eleganz. Ihre sanft schimmernde, fein kraquelierte Glasur im besonders schönen bläulich-grünen Ton erinnert an winterliche Farben und aufbrechendes Eis.
Mehr zur Drachenvase
Sie wurde für den Hof des Kaisers Qianlong (reg. 1735 bis 1795)gefertigt.
Bemalt mit neun Drachen, die in leuchtenden Farben über Meer und Himmel aufsteigen, gehört das monumentale Stück zu den seltensten Meisterwerken der kaiserlichen Porzellankunst der Qing-Dynastie.
Ihr dynamisch wirkender Dekor vereint technische Perfektion mit einer reichen symbolischen Bedeutung und spiegelt die Pracht sowie die politischen Ideale des Hofes unter Kaiser Qianlong wieder.
In der chinesischen Kultur steht die Zahl Neun (jiu) auch für „Ewigkeit“, der Drache stellt das wichtigste Symbol kaiserlicher Macht dar.
Das Motiv der neun Drachen verweist daher auf den Wunsch nach einer ewigen Herrschaft.
Auf dieser Vase erscheinen die Drachen zwischen Wellen und Wolken, zwei Elemente, die traditionell mit diesen mythischen Wesen verbunden sind.
Zwischen den Wolken fliegen rote Fledermäuse.
Im Chinesischen klingt das Wort für Fledermaus (fu) gleich wie das Wort für „Glück“ oder „Segen“.
Am Fuß und unter dem Rand verläuft ein Band aus herzförmigen Ruyi-Köpfen, die auf den Ruyi-Zepter und den Lingzhi-Pilz zurückgehen.
Diese Symbole stehen nach daoistischen Vorstellungen für Unsterblichkeit und die Erfüllung von Wünschen.
Mit kaiserlichen Symbolen geschmückte Gefäße dieser Art dienten häufig als kostbare Geschenke für hochrangige Würdenträger.
Mehr zum Schnupftabaksfläschchen
Das kleine Fläschchen ist ein Original aus den kaiserlichen Werkstätten der chinesischen Qing-Dynastie, wo unter europäischem Einfluss neue Emailtechniken entstanden und solche Gefäße zu begehrten Luxusobjekten wurden.
Das zierliche Kunstwerk galt lange Zeit als eine europäische Arbeit im chinoisen Stil.
Erst 2013 wurde es als seltenes und frühes Beispiel chinesischer Emailkunst der Qing-Dynastie erkannt.
Es gelang, seine Herkunft aus den kaiserlichen Palastwerkstätten in Peking nachzuweisen, in denen ausschließlich Werke höchster Qualität für den Kaiserhof gefertigt wurden.
Die Palastwerkstätten erlebten unter den Kaisern Kangxi (reg. 1661 bis 1722) und seinem Sohn Yongzheng (reg. 1723 bis 1735) eine Phase bedeutender künstlerischer und technologischer Neuerungen.
Durch Jesuiten waren seit dem Ende des 17. Jahrhunderts Emailobjekte aus Europa als Geschenke an den Kaiserhof gelangt, wo sie große Bewunderung hervorriefen.
Der kunstsinnige Kangxi-Kaiser ließ daraufhin gezielt europäische Künstler anwerben, die mit den Techniken vertraut waren, er förderte so deren Weiterentwicklung in China.
Den Gebrauch von Schnupftabak, dem man heilende Wirkung zusprach, führten europäische Missionare, Gesandte und Händler in China ein.
Da sich die in Europa üblichen großen Tabatieren im feuchteren Klima Chinas als unpraktisch erwiesen, setzte sich bald die Verwendung kleiner, dicht verschließbarer Flakons durch.
Besonders unter Kaiser Qianlong (reg. 1735 bis 1796) entstanden sie in großer Vielfalt mit unterschiedlichsten Formen und Dekoren, wurden schnell zu begehrten Sammelobjekten.
Kontakt:
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Residenzschloss
Residenzschloss
Taschenberg 2
D-01067 Dresden
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