Besuch auf der 61. Internationalen Kunstausstellung der Biennale di Venezia: viel Vergessenswertes, doch einiges fiel uns ganz besonders auf

Zu den sehenswerten und niveauvollen Highlights gehören gleich zwei Kunstinitiativen von Bvlgari. Als Exklusivpartner der Biennale Arte 2026 zeigt das Unternehmen auch auf diesem Terrain seine außergwöhnliche Begabung, wenn es darum geht etwas Neues und zugleich Inspirierendes zu schaffen. Die Zusammenarbeit mit der Biennale von Venedig ist vorerst bis zum Jahr 2030 geplant. Gut so, denn so erwartet Besucher wenigstens dort ein hohes Niveau.
    von Edda Stahn 

 

In diesem Jahr findet die Biennale vom 9. Mai bis zum 22. November statt. 
Mit Ausstellungen auch quer durch die Stadt. 
 
Wir haben uns dort mal umgesehen, was wir sahen war oft drittklassig gemacht (z.B. Deutscher Pavillon) und umgesetzt, auch organisatorisches Chaos und schamlose Aktivisten gegen Russland und Israel stehen nicht für eine vorurteilsfreie Kunst. 
 

Unser Eindruck: in der Regel mehr Schein als Sein. 

Das trifft besonders auf den Österreich-Pavillon im Hauptgelände der Giardini zu.   
Der war gut besucht, doch wohl nur wegen der vielen nackten Frauen, eckeliger Performance (schon darüber zu schreiben ist widerlich, auch der Inhalt von Dixie-Klos spielt dabei eine wichtige Rolle ...). Nicht zu vergessen, die ebenfalls nackte Frau, die auf einem Jetski durch den gefluteten Pavillon brauste.
 
Mit Kunst hat das nichts zu tun, das ist reine Selbstdarstellung!
Für das die beteiligte Behörde auch noch jede Menge Geld ausgibt. 
Sich das natürlich vor Ort ansehen muss, mit teurem Boottransfer vom Flughafen zum ebenfalls teuren Hotel, zu teuren Restaurants und sonstigen Spielchen.

Karten nur online 

Kunst sollte und darf nicht als elitärer Bereich angesehen werden.
Daher ist auch der Verzicht auf eine Kartenverkaufsstelle vor dem Ausstellungsbereich der komplett falsche Weg. 
Bei den aufgewendeten Millionenbeträgen für diese „Kunst-Show“ dürfte das doch zu finanzieren sein.
Doch Eintrittskarten gibt es nur online.
 
Für Besucher, die sich kurzfristig das Geschehen anschauen wollen, natürlich nicht gerade freundlich.
In unserem Hotel trafen wir ein Ehepaar aus New York, das in der Nähe war, genau aus diesem Grund auf einen Besuch verzichtete. 

Es geht auch ganz anders 

Die Bvlgari-Stiftung zeigt in Venedig äußerst interessante Projekte, die als Teil eines umfassenderen Programms zur Unterstützung der italienischen und internationalen zeitgenössischen Kunst angesehen werden.
Das erzählen auch viele andere, wollen sich jedoch zumeist nur unter einem weltbekannten Namen sonnen.
Das ist hier ganz anders. Das Engagement kommt glaubwürdig rüber, die Künstlerinnen haben Klasse. Was natürlich nicht heißen muss, dass es auch jedem gefällt.
 

1. Im neu gestalteten Bvlgari-Pavillon in den Giardini zeigt Lotus L. Kang eine ortsspezifische Installation. 
Damit verwandelt die in New York lebende Künstlerin aus Kanada den Raum unter dem Arbeitsmotto „The face of desire is loss“. 

Ihre an Stahlträgern gehängten langen unfixierten Fotofilme (die Künstlerin nennt sie „Häute“) entwickeln sich natürlich derart ungeschützt über die Dauer der Biennale durch Licht und Luftfeuchtigkeit kontinuierlich weiter. 

Mittendrin sind skulpturale Arbeiten aus Tatami-Matten, gegossenen Objekten und anderen wandelbaren Materialien platziert.
 
Das Werk erstreckt sich auch auf die Fenster des Pavillons. Die bedeckte Kang mit 35-Millimeter-Filmen, auf denen Bilder von Schlickwatten zu sehen sind. Die entstehen durch die Gezeiten in der südkoreanischen Provinz Jeolla.  
 

2. Parallel zum Projekt in den Giardini präsentiert die Fondazione Bvlgari ihre erste eigene Ausstellung in der Biblioteca Nazionale Marciana. Dieser Ort steht symbolisch für die Erhaltung und Weitergabe des venezianischen Wissens. 

Gezeigt werden Arbeiten von Lara Favaretto und Monia Ben Hamouda, die in direktem Dialog mit den historischen Räumen der Institution stehen.

Im Vestibül der Bibliothek präsentiert Monia Ben Hamouda Fragments of Fire Worship“.
Diese Installation besteht aus zwei Neonskulpturen, die sich mit dem Thema Sprache, Erinnerung und kulturelle Überlieferung auseinandersetzen. 

Die Tochter eines islamischen Kalligraphen verwandelt ihr kulturelles Erbe in eine fragmentarische und unentzifferbare Schrift, in der das leuchtende Zeichen seine kommunikative Funktion verliert und zu Geste, Spur und Narbe wird. 

An einem Ort, der historisch für die Archivierung von Wissen vorgesehen ist, stellt das Werk die Vorstellung von Wissen als neutralem und geordnetem System in Frage.
 
 

Lara Favaretto
Im Salone Sansovino präsentiert sie Momentary Monument - The Library“. 
Es ist das letzte Kapitel eines Projekts, das im Laufe der Zeit rund um die Themen Erinnerung, Verbreitung und Weitergabe von Wissen entwickelt wurde. 

Die Installation versammelt Bücher aus Universitätsbibliotheken, Akademien, Archiven und Privatsammlungen, die jeweils durch das zufällige Einfügen von Bildern aus dem persönlichen Archiv der italienischen Künstlerin verändert wurden.

Die Besucher sind eingeladen, die Bände anzufassen und sie sogar mitzunehmen, sie vorübergehend in Verwahrung zu nehmen. 
So verändert sich das Werk während der Ausstellung nach und nach und verwandelt das Leeren der Regale in eine Form der aktiven Weitergabe.

Jean-Christophe Babin, Bvlgari CEO: 
„Für Bvlgari ist diese Partnerschaft eine Erweiterung unseres langjährigen Engagements für die Kunst – mit besonderem Augenmerk auf den zeitgenössischen Ausdruck. Als Exklusivpartner sind wir stolz, zu einem Umfeld beizutragen, in dem Besucher, Künstler und Kuratoren zusammenkommen, in den Dialog treten und gemeinsam die Kultur der Zukunft gestalten können."

Dedicated to our english readers

Bvlgari inaugurates its role as the Exclusive Partner of the International Art Exhibition of La Biennale di Venezia until 2030. 
This significant commitment solidifies the Maison’s strong and enduring bond with art, cultivated over years by promoting creativity as an expression of freedom, fostering cultural dialogue, and driving innovation. 
 
A further expression of Bvlgari’s dedication to perpetuate art and beauty for an ever-wider audience.
Two special initiatives mark the brand’s debut in the 2026 edition. 
 
The Bvlgari Pavilion within the Giardini della Biennale will host a new project by Canadian artist Lotus L. Kang, while Fondazione Bvlgari will present its first exhibition at Biblioteca Nazionale Marciana featuring two female Italian artists, Lara Favaretto and Monia Ben Hamouda.
 
Photo: T-Space

Lotus L. Kang at the Bvlgari Pavilion
For the Bvlgari Pavilion, Kang presents ‚The face of desire is loss‘, an installation that continues her enduring engagement with time as unruly, sedimentary and non-linear. 
A series of unfixed photographic film anchor the exhibition, suspended from lengths of steel joist. 

This film will remain continuously sensitive to its environment, developing over the course of the Biennale as it is exposed to the light and humidity of the pavilion. Amidst the skins, Kang installs a series of new sculptural works, rendered from tatami mats, cast objects, spirits, and other changeable forms. 

Encasing the windows of the space with lengths of 35mm celluloid, Kang disperses the film’s duration into a flat, simultaneous plane, as stage lights cast shifting hues of interstitial light across the installation.

Lotus L. Kang: 
“The face of desire is loss brings multiple time-spaces together, condensing them into an environment contingent on light, time and the viewer’s body in space. Collaged together in an assemblage that refuses fixity or singularity, the body-as-environment here is in a process of transmutation and transformation towards exhaustion, death and rebirth. Inside is turned outside and vice versa.” 

Biblioteca Nazionale Marciana 
For the first exhibition promoted by Fondazione Bvlgari, the Biblioteca Nazionale Marciana - a venue that symbolizes the preservation and transmission of knowledge - hosts two site-specific installations that engage in dialogue with the Library’s heritage. 

Monia Ben Hamouda, in the Vestibule spaces, with Fragments of Fire Worship, and Lara Favaretto, in the Salone Sansovino, with the final chapter of Momentary Monument – The Library. 

With this significant presence in Venice, Fondazione Bvlgari renews its commitment to supporting contemporary talent by bringing together two female Italian artists whose talent has been recognized by major awards.

Monia Ben Hamouda, winner of the biennial prize established in 2017 by the Maison in collaboration with MAXXI, the National Museum of 21st Century Arts, now carried forward by Fondazione Bvlgari.

Lara Favaretto, the recipient of the Prize for Young Italian Art 2004–2005, with a work for MAXXI that was presented at the 51st Venice Biennale Arte, which she also took part in for the 53rd and 58th editions.
 


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