Unbedingt lesenswert: in diesem Buch-Tipp geht es um die deutsche Automobilindustrie

Dieses Buch bietet einen ungeschönten Bericht zur derzeitigen Situation der deutschen Automobilwirtschaft. Die beiden Autoren zeigen zudem mit großem Fachwissen detailiert auf, was nötig ist, um wieder auf die Erfolgsspur zu gelangen. Kein einfacher Weg, doch die vorhandene Kompetenz wartet nur darauf genutzt zu werden.        
               von Achim Stahn

Hier geht es nicht um das Füllen von Seiten, nein, hier analysieren zwei Insider mit knallharten Fakten schonungslos auf 320 Seiten den aktuellen Stand der deutschen Automobilindustrie.
 
Harald Hamprecht    Foto: Dani Heyne
 
Auto­mo­tive-, Marken- & Medienexperte Harald Hamprecht schrieb zusammen mit Dr. Thomas Sedran (ex-Chef bei Opel wie VW-Nutz­fahrzeuge) ein sehr interessantes Buch. 
Der Titel lautet: „Kraft statt Krise – Wie die deutsche Automobilindustrie wieder Weltspitze wird“. 

Die am 1. Juni im Verlag Delius Klasing (ISBN: 978-3-667-13268-0) aufgelegte und spannend geschriebene Wirtschaftsanalyse ist ein echter Trai­ningsplan für die Autoindustrie und ein klar definierter Weckruf für Deutschland. 
Für Politik und Wirtschaft zugleich.
 
 
Worum es hier geht, ist allen klar, die regelmäßig seriöse Nachrichten lesen, hören und sehen: Deutschland ist in eine gefährliche Schieflage geraten. 

Das immer gerne als Lokomotive von Europa bezeichnete Land hat ein Kraftproblem. 
Das zeigt sich nirgendwo deutlicher als im Herzstück unserer Wirtschaft: der Automobilindustrie.

Es ist noch nicht zu spät ...

Was sich in Deutschland abspielt, ist kein ge­wöhnlicher Abschwung, sondern ein Stress­test für die Existenz. Technologi­sche Disrup­tion, geo­po­litische Verwerfun­gen und brutaler Wettbewerb haben einen Megasturm erzeugt. 

Diese Krise ist von historischem Ausmaß und in weiten Teilen hausgemacht. 
Zu lange haben deutsche Autohersteller und Zuliefe­rer gezögert, relativiert, verwaltet. 

Kopf in den Sand gesteckt …

Gegen politisch motivierte Autofeindlichkeit und Drangsalierung ihrer Käufer hat sich auch keiner der deutschen Automobilhersteller gewehrt. 

Besser gesagt deren Bosse, die selber bestens versorgt und ohne irgendwelche Sorgen in die Zukunft blicken.

Proteste mit Gleichgesinnten und den Gewerkschaften gegen den voraussehbaren massiven Abbau von Kompetenz und Arbeitsplätzen wurden ebenfalls vermieden. 
Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Audi, BMW, Ford, Mercedes-Benz und ganz besonders Volkswagen taten nichts dahingehend.

Nur Opel hat zu Beginn der faktenlosen, oft auch bewusst mit Falschbehauptungen unterlegten CO2-Diskussion (erinnert stark an den überaus lukrativen und zugleich auf Macht ausgelegten Ablasshandel der Katholischen Kirche im Mttelalter) mal kurz den Kopf erhoben, leider nicht lange genug.

Zu oft wur­de Verantwortung externalisiert: nach Peking, Brüssel, in Lieferketten. 

Viele Proble­me sind zudem selbst verursacht: strategische Un­schärfe, operative Trägheit, Hang zur Per­fek­tion statt Tempo. 
Innovatio­nen wur­den früh erkannt, aber zu spät oder nicht um­ge­setzt. 

Wissen war vorhanden, doch es fehlte an der Konsequenz, operative Schwer­fäl­ligkeit neutralisierte zu oft die vorhandene Stärke.

Der Blick nach außen 

Auch er zeigt klar und deutlich, wie schnell sich das Machtgefüge ändert. Rasend schnell sogar.

Während Euro­pa analysiert und reguliert, pusht China mit Hochdruck.
Beim Thema Mobilität überhaupt (bei Autos/Nutzfahrzeugen, Zugverkehr, Schiffsrouten und Luftfahrt steht Platz 1 weltweit im.staatlichen Strategieplan), bei der E-Mobilität, bei Batterien, KI, humanoiden Robotern und Platt­formöko­no­mie ebenfalls.

Staatlich finanziell massiv flankiert, in­dustriell durchgezogen, global ausgerollt. 

Urteil der Autoren diese Buches: „Der nächste Schnellzug ist längst weg, wer jetzt noch zögert, kann nicht mehr einsteigen, wird nur noch zusehen.“

Exzellenz ist kein Zufall

Dieses Buch ist kein Abgesang, sondern ein Trainingsplan. 
Es zeigt, dass Exzellenz kein Zufall ist – sondern das Ergebnis klarer Visionen, radikaler Prioritäten, kompromiss­loser Umsetzung. 

Es zeigt auch, dass die Basis für den Turnaround vorhanden ist. 
Was in der Regel fehlt, ist Führung mit Biss und Mut, Klarheit in der Priori­sie­rung, konsequente Umsetzung.

So machen es Erfolgreiche ...

Wie es gehen kann, zeigen die Tech-Un­ter­­nehmen Microsoft, Amazon, Nvidia, Apple, meta, Alphabet und Tesla. 
Die Chefs dort stehen für radikale Kundenorientierung, tech­­nologischen Ehrgeiz, Tempo in der Um­­setzung und bewusste Risikobereitschaft. 

Innovation ist dort kein Zufall, er ist sys­te­matisch organisiert. 
Konzepte wie Googles „10x Thinking“ stehen für diesen Anspruch, werden hier detailliert beleuchtet.

Die Autoren analysieren, wie aus Ideen ska­lierbare Produkte werden, Platt­formen ent­stehen, Ökosysteme aufgebaut werden, wa­rum Tempo oft wichtiger ist als Perfek­tion. 

Genau daraus leitet sich der Kern ihrer Empfehlung ab: 
- weniger „German Angst“
- mehr Umsetzung
- weniger Bedenkenträger­
- mehr Tempo

Transformation ist ein Kraftakt, sanfte Transformation oft nur gut getarnte Stag­na­tion. 
Der Markt kennt keine Geduld, der Finanzmarkt noch weniger. 
Wer zu langsam ist, verliert – nicht irgendwann, er verliert jetzt. Zögern ist das neue Scheitern.

Ein Blick zurück 

Auch er schärft den Blick nach vorn. 
Wendelin Wiedeking führ­te Por­sche mit harter Kostendisziplin und klarer Fo­­kussierung aus der Krise. 
Michael Loh­schel­ler drehte Opel unter der Groupe PSA wieder in die Gewinnzone, nach fast zwei Jahrzehnten Milliardenverlusten. 
FCA-Chef Sergio Marchionne erkannte früh, dass Ska­len­ef­fek­te, Part­nerschaften und Größe ent­schei­dend sind. 

Michael Lohscheller und Jean Todt auf der AUTOBEST-Gala 2020, bei der Opels Corsa als attraktivstes Auto europaweit ausgezeichnet wurde.

Überlebenswichtig: verlässliche Rahmenbedingen 

Nicht zuletzt richtet sich der Appell an die von uns bezahlten Politiker. 
Denn Wettbewerbsfähigkeit bedeu­tet immer ver­läss­liche Rahmenbedingungen. 
Die leider nicht vorhanden sind.

Aus Unfähigkeit, Berechnung oder Unterschätzung der Situation, Für letzteres gibt es auch ein treffendes Wort: Dummheit.
 
Deshalb for­dern die beiden Autoren eine klare „Phoenix-Agen­da“: 
- nie­dri­gere Energiepreise
- niedrigere Steuern
- weniger Bürokratie
- handlungsfähiger Staat
- bessere Bildung
- reformierte Sozialsysteme
- moder­ne Infrastruktur
- stärkerer Kapital­markt
- mehr Wohnungsbau
- klare Führungsrolle von Deutschland in Europa
 
Diiese Teile eines großen Puzzle müssen mit Engagement und Empathie zusammengesetzt werden.

Das Resultat aller Maßnahmen entscheidet anschließend darüber, wie schnell Unternehmen handeln können. 

Wer hier bremst, bremst nicht ein­zel­ne Firmen, sondern die Volkswirtschaft insgesamt. 
Was zu einer unwiederbringlichen Zerstörung dieser führen kann.

Fazit dieser knallharten Analyse: 

Die Krise ist real, ja, aber gestaltbar. „Kraft statt Krise“ versteht sich als Weckruf und Werkzeugkasten für den Neustart, als Leitfaden für Entscheider, die nicht verwalten, sondern gestalten wol­len. Die Autoren-Empfehlung ist so einfach wie anspruchs­voll: einfach machen! 

Alle Fakten zum Buch

  • Titel: Kraft statt Krise
  • Erscheinungstermin: 1. Juni 2026
  • Autoren: Harald Hamprecht und Dr. Thomas Sedran
  • Verlag: Delius Klasing Verlag
  • Ausstattung: gebunden
  • ISBN: 978-3-667-13268-0
  • Seiten: 320
  • Format: 13,9 x 21,2 cm
  • Fotos und Abbildungen: leider nur 3
  • Preis: 26,90 Euro 


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