Dieses Buch bietet einen ungeschönten Bericht zur derzeitigen Situation
der deutschen Automobilwirtschaft. Die beiden Autoren zeigen zudem mit großem Fachwissen detailiert auf, was nötig ist, um
wieder auf die Erfolgsspur zu gelangen. Kein einfacher Weg, doch die vorhandene Kompetenz wartet nur darauf genutzt zu werden.
Automotive-, Marken- & Medienexperte Harald Hamprecht schrieb zusammen mit Dr. Thomas Sedran (ex-Chef bei Opel wie VW-Nutzfahrzeuge) ein
sehr interessantes Buch.
Der Titel lautet: „Kraft statt Krise – Wie die
deutsche Automobilindustrie wieder Weltspitze wird“.
Die am 1. Juni im Verlag Delius Klasing (ISBN: 978-3-667-13268-0)
aufgelegte und spannend geschriebene Wirtschaftsanalyse ist ein echter
Trainingsplan für die
Autoindustrie und ein klar definierter Weckruf für Deutschland.
Für Politik und Wirtschaft zugleich.
Worum
es hier geht, ist allen klar, die regelmäßig seriöse Nachrichten lesen,
hören und sehen: Deutschland ist in eine gefährliche Schieflage
geraten.
Das immer gerne als Lokomotive von Europa bezeichnete Land hat ein Kraftproblem.
Das zeigt sich nirgendwo deutlicher als im Herzstück unserer Wirtschaft: der Automobilindustrie.
Es ist noch nicht zu spät ...
Was sich in Deutschland abspielt, ist kein gewöhnlicher Abschwung, sondern ein Stresstest für die Existenz. Technologische Disruption, geopolitische Verwerfungen und brutaler Wettbewerb haben einen Megasturm erzeugt.
Diese Krise ist von historischem Ausmaß und in weiten Teilen hausgemacht.
Zu lange haben deutsche Autohersteller und Zulieferer gezögert, relativiert, verwaltet.
Kopf in den Sand gesteckt …
Gegen politisch motivierte Autofeindlichkeit und Drangsalierung ihrer Käufer hat sich auch keiner der deutschen Automobilhersteller gewehrt.
Besser gesagt deren Bosse, die selber bestens versorgt und ohne irgendwelche Sorgen in die Zukunft blicken.
Proteste mit Gleichgesinnten und den Gewerkschaften gegen den voraussehbaren massiven Abbau von Kompetenz und Arbeitsplätzen wurden ebenfalls vermieden.
Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Audi, BMW, Ford, Mercedes-Benz und ganz besonders Volkswagen taten nichts dahingehend.
Nur Opel hat zu Beginn der faktenlosen, oft auch bewusst mit Falschbehauptungen unterlegten CO2-Diskussion (erinnert stark an den überaus lukrativen und zugleich auf Macht ausgelegten Ablasshandel der Katholischen Kirche im Mttelalter) mal kurz den Kopf erhoben, leider nicht lange genug.
Zu oft wurde Verantwortung externalisiert: nach Peking, Brüssel, in Lieferketten.
Viele Probleme sind zudem selbst verursacht: strategische Unschärfe, operative Trägheit, Hang zur Perfektion statt Tempo.
Innovationen wurden früh erkannt, aber zu spät oder nicht umgesetzt.
Wissen war vorhanden, doch es fehlte an der Konsequenz, operative Schwerfälligkeit neutralisierte zu oft die vorhandene Stärke.
Der Blick nach außen
Auch er zeigt klar und deutlich, wie schnell sich das Machtgefüge ändert. Rasend schnell sogar.
Während Europa analysiert und reguliert, pusht China mit Hochdruck.
Beim Thema Mobilität überhaupt (bei Autos/Nutzfahrzeugen, Zugverkehr, Schiffsrouten und Luftfahrt steht Platz 1 weltweit im.staatlichen Strategieplan), bei der E-Mobilität, bei Batterien, KI, humanoiden Robotern und Plattformökonomie ebenfalls.
Staatlich finanziell massiv flankiert, industriell durchgezogen, global ausgerollt.
Urteil der Autoren diese Buches: „Der nächste Schnellzug ist längst weg, wer jetzt noch zögert, kann nicht mehr einsteigen, wird nur noch zusehen.“
Exzellenz ist kein Zufall
Dieses Buch ist kein Abgesang, sondern ein Trainingsplan.
Es
zeigt, dass Exzellenz kein Zufall ist – sondern das Ergebnis klarer
Visionen, radikaler Prioritäten, kompromissloser Umsetzung.
Es zeigt auch, dass die Basis für den Turnaround vorhanden ist.
Was in der Regel fehlt, ist Führung mit Biss und Mut, Klarheit in der Priorisierung, konsequente Umsetzung.
So machen es Erfolgreiche ...
Wie
es gehen kann, zeigen die Tech-Unternehmen Microsoft, Amazon,
Nvidia, Apple, meta, Alphabet und Tesla.
Die Chefs dort stehen für
radikale Kundenorientierung, technologischen Ehrgeiz, Tempo in der
Umsetzung und bewusste Risikobereitschaft.
Innovation ist dort kein
Zufall, er ist systematisch organisiert.
Konzepte wie Googles „10x
Thinking“ stehen für diesen Anspruch, werden hier detailliert
beleuchtet.
Die Autoren
analysieren, wie aus Ideen skalierbare Produkte werden, Plattformen
entstehen, Ökosysteme aufgebaut werden, warum Tempo oft wichtiger ist
als Perfektion.
Genau daraus leitet sich der Kern ihrer Empfehlung ab:
- weniger „German Angst“
- mehr Umsetzung
- weniger Bedenkenträger
- mehr Tempo
Transformation
ist ein Kraftakt, sanfte Transformation oft nur gut getarnte
Stagnation.
Der Markt kennt keine Geduld, der Finanzmarkt noch
weniger.
Wer zu langsam ist, verliert – nicht irgendwann, er verliert
jetzt. Zögern ist das neue Scheitern.
Ein Blick zurück
Auch er schärft den Blick nach vorn.
Wendelin
Wiedeking führte Porsche mit harter Kostendisziplin und klarer
Fokussierung aus der Krise.
Michael Lohscheller drehte Opel unter
der Groupe PSA wieder in die Gewinnzone, nach fast zwei Jahrzehnten
Milliardenverlusten.
FCA-Chef Sergio Marchionne erkannte früh, dass Skaleneffekte, Partnerschaften und Größe entscheidend sind.
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| Michael Lohscheller und Jean Todt auf der AUTOBEST-Gala 2020, bei der Opels Corsa als attraktivstes Auto europaweit ausgezeichnet wurde. |
Überlebenswichtig: verlässliche Rahmenbedingen
Nicht zuletzt richtet sich der Appell an die von uns bezahlten Politiker.
Denn Wettbewerbsfähigkeit bedeutet immer verlässliche Rahmenbedingungen.
Die leider nicht vorhanden sind.
Aus Unfähigkeit, Berechnung oder Unterschätzung der Situation, Für letzteres gibt es auch ein treffendes Wort: Dummheit.
Deshalb fordern die beiden Autoren eine klare „Phoenix-Agenda“:
- niedrigere Energiepreise
- niedrigere Steuern
- weniger Bürokratie
- handlungsfähiger Staat
- bessere Bildung
- reformierte Sozialsysteme
- moderne Infrastruktur
- stärkerer Kapitalmarkt
- mehr Wohnungsbau
- klare Führungsrolle von Deutschland in Europa
Diiese Teile eines großen Puzzle müssen mit Engagement und Empathie zusammengesetzt werden.
Das Resultat aller Maßnahmen entscheidet anschließend darüber, wie schnell Unternehmen handeln können.
Wer hier bremst, bremst nicht einzelne Firmen, sondern die Volkswirtschaft insgesamt.
Was zu einer unwiederbringlichen Zerstörung dieser führen kann.
Fazit dieser knallharten Analyse:
Die Krise ist real, ja, aber gestaltbar. „Kraft statt Krise“ versteht sich als Weckruf und Werkzeugkasten für den Neustart, als Leitfaden für Entscheider, die nicht verwalten, sondern gestalten wollen. Die Autoren-Empfehlung ist so einfach wie anspruchsvoll: einfach machen!
Alle Fakten zum Buch
- Titel: Kraft statt Krise
- Erscheinungstermin: 1. Juni 2026
- Autoren: Harald Hamprecht und Dr. Thomas Sedran
- Verlag: Delius Klasing Verlag
- Ausstattung: gebunden
- ISBN: 978-3-667-13268-0
- Seiten: 320
- Format: 13,9 x 21,2 cm
- Fotos und Abbildungen: leider nur 3
- Preis: 26,90 Euro
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