Die Neue Nationalgalerie präsentiert ab heute unter dem Titel „NIGHT“ die erste umfassende Einzelausstellung in Deutschland zum Werk von Maurizio Cattelan. Der italienische Künstler wurde in diesem Jahr mit dem Preis der Nationalgalerie ausgezeichnet.
Konzipiert für Mies van der Rohes Glashalle, vereint die Ausstellung vom 10. September 2026 bis zum 07. März 2027 zentrale historische Werke mit mehreren neuen Ideen.
Seit Gründung im Jahr 2000 würdigt deutschlands renommiertester Museums-Preis für zeitgenössische Kunst Positionen, die die Gegenwartskunst entscheidend prägen und präsentiert sie in Berlin einer breiten Öffentlichkeit.
Der Automobilhersteller BMW unterstützt den Preis bereits seit 2006, hat auch mit Cattelan schon zusammengearbeitet.
Zur Ausstellung „NIGHT“
Sie kreist um die Themen Geschichte, Macht, Gedenken, Identität und Glauben. Vertraute Bilder und Figuren werden so subtil verändert, dass ihre Bedeutung unsicher wird und zwischen Ironie und Mehrdeutigkeit oszilliert.Zugleich treten die Werke in einen direkten Dialog mit der Architektur der Neuen Nationalgalerie. Das Gebäude ist nicht nur Hülle, sondern selbst Teil der Ausstellung.
Dazu sagt Maurizio Cattelan:
„Die Nacht ist nicht einfach die Abwesenheit von Licht. Sie ist ein Zustand. Sie setzt Gewissheiten außer Kraft. Die Dinge verschwinden nicht zwangsläufig – sie werden lediglich schwerer zu fassen. Die Ausstellung handelt nicht von Dunkelheit, sondern von der Fragilität von Gewissheiten. Zugleich ist die Nacht immer nur vorübergehend. Sie trägt stets die Möglichkeit des Morgens in sich, auch wenn dieser noch nicht sichtbar ist.“
Das ist zu sehen
Den Auftakt bildet „Purgatory“ (2026), hier wird das Brandenburger Tor im verkleinerten Maßstab in das Innere des Museums versetzt.Aus seinem städtischen Kontext gelöst, erscheint das bekannte Denkmal als Ort des Übergangs, des Innehaltens und historischer Ambivalenzen.

Im Zentrum der Glashalle stehen „Him“ (2001), eine kniende männliche Figur in Gebetshaltung, und „Dawn“ (2007), eine weibliche Figur im Inneren einer Transportkiste. Beide Werke bilden eine vertikale Achse und bringen unterschiedliche Formen von Hingabe und Verletzlichkeit miteinander in Beziehung.
An der Deckenkonstruktion befinden sich Tausende präparierter Tauben („People“, 2026). Sie machen den Raum zu einem Ort des gemeinsamen Beobachtens.

Die animatronische Figur basiert auf dem Protagonisten aus Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“ (1959).
Sein Trommeln wird zum Akt des Widerstands und zur Warnung vor politischer Gewalt und kollektivem Gedächtnisverlust.
In unregelmäßigen Abständen schlägt die Figur ihre Trommel. Der Rhythmus bewegt sich zwischen Parade, Alarm, Trauermarsch und Zirkusattraktion.
Auf der Museumsterrasse befindet sich „Scar“ (2026). Der gusseiserne Kanaldeckel trägt die Titel aller in der Ausstellung gezeigten Arbeiten. Losgelöst von den einzelnen Werken bilden sie eine eigene Konstellation aus Worten.
Zugleich verweist „Scar“ auf die unter der Stadt liegenden Infrastrukturen, Geschichten und Erinnerungen. Der Titel bezeichnet die Narbe als bleibende Spur eines vergangenen Ereignisses.
Zwei Neuproduktionen beschäftigen sich mit Zeit, Tod und Erinnerung. „After“ (2026) besteht aus einem sechs Meter langen Eisenrohr, in dessen Zentrum ein schlafender Hund liegt.
In regelmäßigen Abständen wird das Rohr angeschlagen und erklingt wie eine Glocke. „Dust“ (2026) besteht aus einem handelsüblichen Feuerlöscher, der die eingeäscherten Überreste eines Freundes des Künstlers enthält.
Dedicated to our english readers
The Neue Nationalgalerie presents “NIGHT”, the first major solo exhibition in Germany by Italian artist Maurizio Cattelan, recipient of the Preis der Nationalgalerie 2026.
Conceived for Mies van der Rohe’s glass hall, the exhibition brings together seminal historical works and new commissions in an installation that lends the museum the character of a contemporary church.
Since its inception in 2000, the Preis der Nationalgalerie 2026, Germany's most prestigious museum award for contemporary art, has honored artistic practices that have signficantly influenced contemporary art and has presented them to a broad audience in Berlin.
BMW has supported the prize as a long-standing partner since 2006.

The title “NIGHT” evokes a condition in which things are seen not less clearly, but differently.
Maurizio Cattelan:
Visitors enter through “Purgatory” (2026), a new commission that places a scaled-down Brandenburg Gate inside the museum. One of Germany’s most recognisable monuments becomes a threshold to walk around and through – repositioned as a space of passage, reflection and historical ambiguity.
At the centre of the hall, a strong vertical axis is established between “Him” (2001), a kneeling male figure in contemplative pose, and “Dawn” (2007), a female figure suspended in cruciform posture within a transport crate.
Overhead, thousands of taxidermied pigeons titled “People”(2026, first shown in Venice in 1997) settle across the ceiling structure, reshaping the space into a place of collective gathering and quiet observation.
The exhibition reaches beyond the glass hall. High on the roof, “Never” (2003) appears as an animatronic child drummer drawn from the protagonist of Günter Grass’s “The Tin Drum” – a figure of resistance and warning whose irregular beat rings out across the city, between parade and alarm.
On the museum terrace, “Scar” (2026), a cast-iron manhole cover inscribed with the titles of every work in the show, condenses the exhibition into language at street level.
Further information about the works in the exhibition can be found here.
Good to know
For more than three decades, Maurizio Cattelan (born 1960 in Padua, Italy) has been one of the defining voices in international contemporary art, developing a body of sculptures, installations and conceptual interventions that engage with authority, collective memory and social power.
His work has been shown worldwide, including several Venice Biennales and major solo exhibitions at the Solomon R. Guggenheim Museum, New York (“All”, 2011) and the Monnaie de Paris (“Not Afraid of Love”, 2016).
“NIGHT” marks his return to Berlin 20 years after he co-curated the 4th Biennale in 2006.
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